Rassel | STADTBILDER HILDESHEIMSTADTBILDER HILDESHEIM

Rassel

27. April bis 29. April 2014
Fotografie
cooks & wines | Speicherstraße | Hildesheim

Die kreative Auseinandersetzung mit dem Stadtbild war Ziel dieser dreitägigen Ausstellung. Außen zu Innen, Fläche zu Enge, Licht zu Schatten. Beton zu Fachwerk. Die Stadt des Knochenhaueramtshauses und der zwei Weltkulturerbe hat mehr zu bieten als nur Postkartenmotive. Historische Sehenswürdigkeiten und auf den ersten Blick unschöne Realitäten liegen nah beieinander. Täglich gesehen, doch selten wirklich wahrgenommen versucht der Künstler unsere Augen auf diesen scheinbaren Konflikt zu lenken und länger als nur mit einem flüchtigen Blick darauf zu verweilen.

Was macht Hildesheim zu unserer Stadt? Ein schöner Marktplatz? Oder ist da noch etwas anderes? Etwas das man nicht auf den ersten Blick erkennt? Vielleicht genau die Plätze, welche man jeden Tag übergeht und wie selbstverständlich von uns benutzt werden?
Das Stadtbild wurde von den darin lebenden Menschen sowie den vorherigen Generationen  geprägt. Nichts ist Zufall, alles geplante Erscheinung, welche im Kontext in Raum und Zeit zueinander steht. Zeitsprünge sind nur einen Steinwurf voneinander entfernt und verbinden verschiedene Jahrhunderte der Baugeschichte im Jetzt.




Die Bilder zeigen Episoden des Stadtbildes, rätselhafte Perspektiven, beiläufige Details und ungewohnte Sichtweisen. Rassel nutzt dabei verschiedene Techniken zur Umsetzung seiner Werke.  Klassische Schwarzweiß-Fotografie wechselt sich mit zentralisierender Tilt-Shift Technik oder überhöhter Farbe ab. Stets wirkt aber die Aussage im Mittelpunkt, nicht die Technik. Der Blickwinkel wird dadurch untermauert oder verstärkt, gelegentlich überzeichnet aber niemals entwertet.

Der Mensch als Bewohner wird in den Bildern nur gestreift, eher ignoriert oder sogar bewusst ausgelassen. Höchstens als flüchtiger Schatten dient der Passant als Beiwerk zur Architektur. Kritisch wird dadurch die Gestaltung hinterfragt. Dient der Ort dem Menschen als ein zu verweilender Aufenthaltsort oder ist dieser nur Fassade auf dem Weg zum nächsten Platz?

Man erkennt die schwere der Nacht und den Unterschied des scheinbar gleichen Raumes zum Tag. Nachts sind alle Katzen grau? Oder alle Gebäude Dunkel? Diese Bilder sagen etwas anderes aus. Licht wird bewusst als bewegtes Instrument eingesetzt und nicht nur passiv aufgenommen.

Letztlich leben auch diese Bilder von vorgefundenen und ausgewählten grafischen Strukturen, die den Bildern ihre Spannung geben, auch wenn die Motive teilweise völlig banal sind und daher vom Betrachter auch nicht mit “Kunst” in Verbindung gebracht werden.

Man kann die Bildfolgen als Reise durch die Stadt verstehen. Von den Dächern geht es herunter bis in die Details. Rassel nutzt für die Makrobereich unter anderem die Technik der Scanografie. Der Scanner ist der Maulwurf unter den Kameras – er sieht nur auf kurze Distanz scharf und ist sehr lichtscheu. Hier wird er aus dem üblichen Arbeitsraum entführt und mobil verwendet.
Die ungewöhnliche Präsentation der Fotografien auf Metallblechen und an Galgen erinnernde Ständer ist kein Zufall. Losgelöst von Wänden schwebende Bilder sind Teil des Raumes. Die schwere der Architektur der Gebäude wird so aufgehoben.